Eigentlich bin ich ja ganz anders. 100 Prozent. HA!

Weil,  jetzt mal ganz unter uns,  DAS  kann ja wohl nicht die wahre Ich sein, also so wie die ist und wie die sich verhält.  Mehr und mehr und immer öfter ist die nämlich biestig, stänkert rum und ist trotzig und widerborstig.

In letzter Zeit kommt noch eine Wut dazu – eine Wut, die sich –  direkt unter Haut zusammengeballt – versteckt hält.  Und die jede Gelegenheit nützt um an die Decke zu gehen –  aber wie!  Sehr beängstigend das Ganze.  Selbst in der Öffentlichkeit geht diese Wut echt ab! Man stelle sich das mal vor …..  Krass! Um es mal kurz und bündig auf einen Nenner zu bringen: diese Beschriebene da repräsentiert eine sehr anstrengende, unberechenbare und abenteuerlich bedenkliche Seite von mir.

Das Gegenstück dazu von dem ich hoffe, dass sie mein wahres ICH ist, also eine Bessere, Freundliche, Geduldige, Ausgeglichene….  die ist – und ich kann  es nur positiv unterstreichen – wirklich ganz anders!  Witzig, kreativ, emphatisch und liebenswert. Es entspannt und ist bereichernd,  mit ihr zusammen zu sein.

Gestern Nachmittag kam ich so dir-nix-mir- nix nach Hause und sah schon weitem einen großen bunt-bedruckten Umschlag im Briefkasten stecken. Oh wie schön, dachte ich, Überraschungs-Post! Das kam nicht sehr oft vor, meistens war der Briefkasten leer! Oder, im schlimmsten Fall, wurden unnötige Rechnungen für mich darin abgelegt! Heute sah der Briefkasten allerdings so aus, als ob er gleich überquellen würde. Es war noch ein weiteres Kuvert zu sehen und eine Zeitung, vollgestopft mit jeder Menge unnötiger Prospekte, war so quasi um den bunt-bedruckten Umschlag herumgewickelt. Das Ganze hing über die Hälfte aus dem Briefkastenschlitz heraus und es sah so aus, als ob beim nächsten Windstoß alles davonfliegen würde.

Je näher ich meiner Haustüre und dem Briefkasten kam, desto mehr konnte ich ein helles, aber nicht wirklich verständliches, zischendes Gemurmel hören, dass aus dem großen Umschlag zu kommen schien. Es klang zudem sehr wütend.

Das war eigenartig………………

Für Karin …:o)

Er hatte sich verlaufen. Noch nie zuvor in seinem ganzen Leben war ihm so etwas passiert. Ratlos schaute er sich um. Wohin er auch blickte, die alten Häuser und die verwinkelten Straßen mit ihrem Kopfsteinpflaster sahen alle gleich aus. Das Gefühl von Unwirklichkeit welches ihn, seit er Fuß in diese Stadt gesetzt hatte,  gefangen hielt wurde heute Abend noch verstärkt durch die Straßenlaternen,  deren schmutzig trübes Licht mit Hilfe der zäh vor sich hin wabernden Nebelschwaden die ganze Umgebung zu verschlucken schienen.

Er beschloss an der nächsten Kreuzung nach rechts abzubiegen. Der Weg führte ihn zu einer kleinen Brücke, deren schlüpfriger schmaler Steg vor Nässe tropfte. Er hielt sich am Geländer fest, um nicht auszurutschen und, was Gott verhüten möge, in den sicherlich eisig kalten Tümpel zu fallen. Auf der anderen Seite der Brücke angekommen, blieb er stehen – er hatte keine Ahnung wo er sich befand. So langsam schlichen  Zweifel in ihm hoch,  wie und vor allem wann er zurückfinden würde in seine gemütliche und warme Pension. Er sehnte sich nach trockenen Socken und einer Wärmeflasche im Rücken.  Eine Tasse  heißen Tee, angereichert mit einem kräftigen Schuss Brandy, würde ihm sicher auch nicht schaden.