5x5x2+5 …. Karin …. o:)

Das verhinderte Geburtstagsgeschenk

Es waren einmal zwei Schwestern, eine Große und eine Kleine. Sie hatten sich sehr gerne und wenn sie auch ziemlich weit voneinander entfernt lebten, so telefonierten sie doch oft. Jeden Morgen schickten sie sich gegenseitig eine WhatsApp, oft eine sehr lustige, blödelige oder auch tiefsinnige; so wussten sie, dass sie aneinander dachten – die eine im hohen Fischkoppland und die andere in der südlichen Spätzle Country.

Nun begab es sich, dass die kleine Schwester, wie jedes Jahr übrigens, Geburtstag hatte. Und wie jedes Jahr bekam sie ein Geburtstageschenk von ihrer großen Schwester. Die große Schwester hatte sich schon länger Gedanken gemacht, mit welchem Geschenk sie ihre kleine Schwester zu ihrem Geburtstag überraschen könnte. Die letzten zwei Jahre hatte die kleine Schwester Kapitel einer Geschichte, die sie für sie schrieb, erhalten. Dieses Jahr sollte es aber einmal etwas anderes sein, beschloss die große Schwester! Aber was konnte sie ihrer kleinen Schwester schenken? Es war gar nicht so einfach, ein angemessenes Geschenk zu finden. Schließlich sollte es etwas Besonderes sein, etwas Passendes, etwas Persönliches. Etwas Einmaliges, denn einmalig war ihre kleine Schwester schließlich auch!
Und so machte sich die große Schwester auf die Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für ihre kleine Schwester. Sie durchstöberte einen Laden nach dem anderen, sie fragte Amazon um Hilfe, sie konsultierte Instagram und Google – aber nirgends fand sie ein Geschenk, dass ihr gefiel.

In ihrer Not kaufte sie ein VVS-Ticket und fuhr in die große Hauptstadt von Spätzle Country! Und obwohl sie dort die ganze Prachtstraße von Stuttgart, genannt Königstrasse, absuchte – sie konnte kein Geburtstagsgeschenk für ihre kleine Schwester finden.
Traurig machte sie sich auf den Heimweg.
Aber was war denn das? Ihr Blick fiel auf das Schaufenster einer kleinen Buchhandlung fast am Ende der Prachtstraße. Umringt von allerlei Büchern und Schreibuntensilien lag in der Mitte des Schaufensters das schönste Buch, das sie je gesehen hatte. Der Einband des Buches war in einem Rot so lebendig, dass es ihr den Atem verschlug; aber das war längst nicht alles, denn auf dem roten Einband waren Zillionen von klitzekleinen glitzernden Sternen und Monden aufgedruckt. Es leuchtete und funkelte, dass es eine wahre Pracht war. Die Inschrift auf dem Einband war in schwarz gehalten und lautete „Das magische Keks-Back-Buch“ ….

JUHU! Sie hatte das perfekte Geschenk für ihre kleine Schwester gefunden! Denn niemand konnte so gute Kekse backen wie sie und alle Anverwandten und Freunde freuten sich jedes Jahr auf die weihnachtliche Gebäckübergabe der großen Keksmeisterin aus dem hohen Norden!
Die große Schwester eilte in den Laden um das Buch zu erstehen. Und das war gut so, denn es war das letzte Exemplar; weitere Ausgaben für Weihnachten waren laut der Verkäuferin vergriffen und das schon im Oktober! Nun brauchte sie noch eine selbstgemachte, passende Geburtstagskarte und sie konnte der Ankunft des Geburtstags entspannt entgegensehen. Zufrieden und erleichtert machte sie sich auf den Heimweg.

Alles war gut!

Einige Zeit später ergab es sich, dass die große Schwester ein paar Tage auf Besuch ins Fischkoppland zu ihrer kleinen Schwester und ihrem Lieblingsschwager auf Besuch fuhr. Sie brauchte dringend Erholung und im Fischkoppland fühlte sie sich immer wohl und lieb umsorgt.
Ihre Schwester besaß eine Kommode auf der Kochbücher standen. Des Abends schien ein warmes Strahler-Licht auf dieselben und erhellte mit seinem Licht die Büchersammlung einladend. Die große Schwester stellte sich vor, wie das magische Keks-Buch in seinem roten Einband auf der Kommode stand und mit seinem magischen Glanz alles verzauberte….
„ Hast du eigentlich schon angefangen Kekse zu backen“, fragte sie eines Abends in einem ganz unverbindlich gehaltenen Ton ihre kleine Schwester. „Ich back dieses Jahr keine Kekse“, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Hahaha“, lachte die große Schwester, ihre kleine Schwester war doch immer gut für ein Späßchen! So fragte sie nochmal. Und noch einmal. Und am nächsten Tag versuchte sie es wieder. Aber immer bekam sie die gleiche Antwort und langsam dämmerte es ihr, dies war kein Spaß sondern bitterer Ernst!

Die große Schwester beschloss ihren Lieblingsschwager um Rat zu fragen Schließlich war er schon zig Jahre mit ihrer kleinen Schwester verheiratet, also musste er ja wohl wissen, was in so einem Fall zu tun war. Aber weit gefehlt – auch sein Protest wurden mit einem „Ich back dieses Jahr keine Kekse“ kurz und bündig abgeschmettert.
Selbst sein ausgeklügelter Einwand – ihr Lieblingsschwager war nämlich ein ganz schlaues Kerlchen – ihre selbstgebackenen Schokoladen-Cantuccini wären KEINE Weihnachtskekse und könnten somit doch problemlos gebacken werden –selbst DAS ließ sie nicht gelten.
ES WÜRDE IN DIESEM JAHR TATSÄCHLICH KEINE WEIHNACHTSKEKSE GEBEN!

Niedergeschlagen setzte sich die große Schwester am nächsten Morgen in den Zug und fuhr zurück nach Spätzle Country.

Wieder daheim sann sie wieder und wieder darüber nach wie es weitergehen sollte mit dem Geburtstagsgeschenk für ihre kleine Schwester….
Sollte sie das Buch etwa trotzdem verschenken? Nö, das wäre irgendwie blöd! Oder ein anderes Geschenk besorgen? Ja gut – aber WAS bitte schön?
Eigentlich gab es ja noch ein zweites Geburtstagsgeschenk! Selbiges war aber Maße-mäßig so was von ungeeignet für den Versand mit der Post, sie plante es ihr beim nächsten Wiedersehn zu geben!
Sie überlegte und überlegte und der Geburtstag rückte näher und näher….

Es war ein Teufelskreis!

Und so entschied sie in ihrer Not, ihre letzte Trumpfkarte auszuspielen –SIE ERZÄHLTE DIE GANZE GESCHICHTE IHREM VATER!
„HO-HO“, dieser lachte schallend „das glaub ich jetzt aber nicht! Das haben wir gleich, denn das ist ja wohl ein schlecht getimter Versuch so von wegen sich emanzipieren wollen und so – aber Blut ist dicker als Wasser, HO-HO!“
Dann murmelte er noch etwas Unverständliches so von wegen “väterliche Autorität“ und machte sich auf den Weg ins Fitnessstudio.
Aber – wie die große Schwester schon befürchtet hatte – hatte auch er keinen Erfolg mit seiner Mission und auch sein Versuch ein Machtwort zu sprechen, verhallte ungehört.
Es blieb unwiderruflich dabei:
ES WÜRDE IN DIESEM JAHR TATSÄCHLICH KEINE WEIHNACHTSKEKSE GEBEN!

Dann war der Geburtstag der kleinen Schwester da. Und die große Schwester hatte kein Geburtstagsgeschenk ….

Traurig saß die große Schwester am Fenster und schickte mit der aufgehenden Sonne ganz viele und liebe Geburtstagswünsche zu ihrer kleinen Schwester ins Fischkoppland! Sie wünschte ihr ganz viel Gesundheit und Freude für das neues Lebensjahr. Und Geduld – jede Menge Geduld! Sie meinte das nicht böse, denn die große Schwester wusste aus eigener Erfahrung, dass man nie genug Geduld haben konnte!

Sie war sehr dankbar, so eine einmalige Schwester zu haben. Die (wenn sie wollte) auch noch sehr liebenswert war. Außer es ging um vermaledeite Weihnachtskekse! (Anmerk.d.Red.)

PS: Die große Schwester freute sich sehr auf ein baldiges Wiedersehen mit ihrer kleinen Schwester.

SALUTE! Auf einen wunderschönen Tag!

Susanne

Comments

  • Karin
    REPLY

    da fehlt natürlich noch das gute Ende… Schließlich hatte sich die kleine Schwester doch noch erweichen lassen und jede Menge Kekse gebacken. Drei Tage lang stand sie in der Küche, nur damit alle noch zu ihren lang vermissten Weihnachtskeksen kamen. Und wenn noch einer sagt, sie hätte eben früher damit anfangen müssen, gibt es nächstes Jahr ganz bestimmt und niemals nicht Weihnachtskekse! So!

    15. Januar 2020

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