Stricknadeln und Gummihopf- Jahrgang 63/64

Letzte Nacht hab ich von meiner Schulzeit geträumt! Albtraummäßig hab ich mich auf meinem wackeligen Holzstuhl im Handarbeitsraum meiner ehemaligen Grundschule wiedergefunden – den missbilligenden Augen Fräulein Klenges, meiner strengen Lehrerin ausgesetzt. Pfft. Und dem herablassenden Gekicher meiner Mitschülerinnen, die sich  stolz mit ihren tadellos gestrickten Werken überboten und ganz offensichtlich nicht verstehen konnten, dass es tatsächlich Mädchen gibt die an stricken, sticken oder häkeln sowas von keinerlei Interesse haben…

Beschäftigt hat mich der Traum heute morgen noch. Auch fiel mir ein,  dass ich mir schon früher einmal Notizen über das Thema Schulzeit und Handarbeiten gemacht habe; und über Gummihopf, das kam auch drin vor…  Na ja. Ich weiß auch gar nicht. weshalb ich  daraus bis jetzt nichts gemacht hatte. Ist auch egal – jedenfalls ordentlich wie ich bin :o) hab ich diese Notizen auf meinem Rechner unter Ablage „Schreiben“ gleich gefunden,  überarbeitet und einen Beitrag daraus gemacht, ein Schulbild von mir (1963) hinzugefügt und ruck-zuck veröffentlicht.

 

Und violá – da ist die Geschichte!

Was war ich  gut beim Gummi-Hopf – ich hab es echt geliebt.  Vom Knöchel über Wade, Knie, Oberschenkel und hoch bis zu Taille – kein Problem für mich. HA!  Hat echt Spaß gemacht! Alle Kinder sind jeden Nachmittag „gehopft“, bei Sonne und bei Regen, und abends so lange, bis das Gummi im Schein der Straßenlaterne kaum mehr zu erkennen war. Unsere Mädelstruppe war ein eingespieltes Team, die Besten im ganzen Viertel. Wir hielten echt zusammen – also meistens. Also bis auf den Streit und Gedöns, wenn ein Mithüpfer aus Versehen das Gummi berührte und  dann das Gummi zitterte – dann ging Geschrei aber los!  Ganz schlimm war es, wenn man nicht zugeben wollte, dass man der Verursacher besagten Zitterns war. „Du schummelst, das gilt nicht, du bescheißt! “ Langjährige  Freundschaften wurden an einem (!) Nachmittag zerstört!  „Hört mir Alle  zu, DIE darf nicht mehr mitspielen, mit DER reden wir nicht mehr!“  Das war’s dann. Von da an war man auf sich selbst gestellt…

Ist mir auch hin und wieder passiert. Blöderweise gab es dann für mich auf einmal niemand mehr, der sich im Handarbeitsunterricht erbarmte  und meine zugegebenermaßen ruhmlosen Strickversuche  maschenmäßig auf die Nadeln reihte  – und zwar da wo sie hingehörten und vor allem wo sie auch Sinn machten. Alleine schaffte ich das nämlich nicht und auf die Lehrerin konnte ich nicht zählen. Ich hatte wahrlich kein Glück  mit keiner meiner in jedem Schuljahr wechselnden Handarbeitslehrerinnen. Sie waren eine Spezies die meinem Wesen völlig fremd war. Wie konnte man nur so kritisch sein, bloß weil eine Masche verdreht oder verschwunden war? War das etwa meine Schuld?  Ich sollte mich entscheiden, ob ich lieber locker oder eher enge Maschen bevorzugte; oder ob ich groß- oder klein-maschig stricken wollte – das Ganze musste nach den Vorstellungen der Lehrerin ein „einheitliches Strickmuster“ ergeben. Was für ein langweiliger Gedanke – wo blieb denn da das kreative Element?

Und so stellte sich für mich im  Handarbeitsunterricht bereits im zarten Alter von 7 Jahren  heraus, dass mein Widerstand gegen jede Art von Konformität ein bereits überaus gut entwickelter Eckpfeiler in meiner kindlich-knospenden Charakterentwicklung war.

Vom häkeln oder sticken will ich lieber erst gar nicht anfangen. Die mysteriöse Welt der Nadeln und Garne blieb mir die ganze Schulzeit hindurch verschlossen (und darüber hinaus!). Ein Umstand, der sich fraglos auf die Notengebung in meinem Zeugnisheft  auswirkte. Nur so viel dazu, ich schaffte es in einem Schuljahr mit der Note 5 im Schulfach Handarbeiten nach Hause zu kommen. Die darauffolgenden Bemühungen meiner Mutter –  untermalt von langatmigen Kommentaren angesiedelt im höheren Frequenzbereich – mich anhand nicht endend wollender Übungen  von der Wichtigkeit des Stricken-könnens zu überzeugen, scheiterten nicht zuletzt an meinem renitenten Desinteresse an der Materie.  Und an der nicht vorhandenen Geduld meiner Mutter, ein weiteres nicht zu unterschätzendes Detail in dieser Geschichte. Ihr Kommentar, ich wäre ein hoffnungsloser Fall belastete mich nicht wirklich, bedeutete er doch das Ende meiner handgestrickten Qualen. Der mir in  diesem Zusammenhang verordnete 2-wöchigen Hausarrest erschien mir allerdings ziemlich übertrieben und sehr ungerecht!

Mein Verhältnis zum Thema Handarbeiten ist in den letzten Jahren etwas entspannter  geworden. Eine große Leidenschaft wird zwischen uns aber wohl nie entstehen. Damit kann ich leben – Nobody’s Perfect!

 

Aber mal ganz was anderes:

Hm…… da drüben?  Ne, der Abstand ist zu kurz …… und dort ist er etwas zu lang.  Wie wär´s  zwischen den Essplatzstühlen?  Hm, wahrscheinlich  nicht hoch genug. Aber vielleicht könnte ich ja erstmal niedrig anfangen?  Wäre doch gelacht, wenn ich nicht irgendwo in der Wohnung ein Gummi-Hopfseil befestigen könnte!

 

Ach so –  und noch zum Thema Charakterentwicklung und so  – der Eckpfeiler steht übrigens immer noch. Fest und solide. Pfft.

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