Geschichte Eins

Eine Bratpfanne namens Marianne

„ Guuuuten morgen! Alles aufstehen, aber dalli!“ Pok-Pok stürmte in die Küche. Hinter ihm fiel die Türe krachend ins Schloss. Vom Knall erschüttert pendelten die bronzefarbenen Zapfen der Schwarzwalduhr an der Wand neben der Türe aufgeregt hin und her und verhedderten sich unentwirrbar ineinander. Das Uhrwerk stöhnte gequält. Jeden Morgen dasselbe Drama!

Schwungvoll zog Pok-Pok den Rollladen am Küchenfenster hoch. Helles Sonnenlicht strömte in den Raum.  Pok-Pok füllte frisches Wasser in den Wasserkocher und schaltete das Radio ein.

Er gehört zu mir´……

„Oh nein“, die alte gusseiserne Bratpfanne über dem Herd wurde blass unter ihrer verblichenen, mit altem Fett verkrusteten Patina.

‚wie mein Name an der Tür‘…..

„Marianne Rosenberg am frühen Morgen – und der Tag ist erfüllt mit Kummer und Sorgen!“  Sie seufzte tief.  Sie konnte diese Tussi nicht leiden –  geschweige ihre Stimme hören ohne das es ihr kalt den Pfannenrücken hinunterlief.  Dass sie sich aber auch ausgerechnet mit dieser Dame denselben Vornamen teilen musste … !

Das verhinderte Geburtstagsgeschenk

Es waren einmal zwei Schwestern, eine Große und eine Kleine. Sie hatten sich sehr gerne und wenn sie auch ziemlich weit voneinander entfernt lebten, so telefonierten sie doch oft. Jeden Morgen schickten sie sich gegenseitig eine WhatsApp, oft eine sehr lustige, blödelige oder auch tiefsinnige; so wussten sie, dass sie aneinander dachten – die eine im hohen Fischkoppland und die andere in der südlichen Spätzle Country.

„Da bekommt doch der Ölmützer Quargel sein Fett gleich doppelt weg!“, brummte Prinz Romadur ärgerlich und schüttelte dabei den Kopf, „was nützen mir all meine Ländereien – von Appenzell, Allgäu und Emmental bis nach Caprice des Deux und bonbel, über Gouda und Maasdamer bis ins weit entfernte Cheddar, Cheston und Blue Stilton – wenn ich keine Prinzessin finden kann, die diesen ganzen Käse mit mir teilt?

Ella Eucalyptus hat´s drauf

Kapitel 1

Er hatte sich verlaufen. Noch nie zuvor in seinem ganzen Leben war ihm so etwas passiert. Ratlos schaute er sich um. Wohin er auch blickte, die alten Häuser und die verwinkelten Straßen mit ihrem Kopfsteinpflaster sahen alle gleich aus. Das Gefühl von Unwirklichkeit welches ihn, seit er Fuß in diese Stadt gesetzt hatte,  gefangen hielt wurde heute Abend noch verstärkt durch die Straßenlaternen,  deren schmutzig trübes Licht mit Hilfe der zäh vor sich hin wabernden Nebelschwaden die ganze Umgebung zu verschlucken schienen.

Er beschloss an der nächsten Kreuzung nach rechts abzubiegen. Der Weg führte ihn zu einer kleinen Brücke, deren schlüpfriger schmaler Steg vor Nässe tropfte. Er hielt sich am Geländer fest, um nicht auszurutschen und, was Gott verhüten möge, in den sicherlich eisig kalten Tümpel zu fallen. Auf der anderen Seite der Brücke angekommen, blieb er stehen – er hatte keine Ahnung wo er sich befand. So langsam schlichen  Zweifel in ihm hoch,  wie und vor allem wann er zurückfinden würde in seine gemütliche und warme Pension. Er sehnte sich nach trockenen Socken und einer Wärmeflasche im Rücken.  Eine Tasse  heißen Tee, angereichert mit einem kräftigen Schuss Brandy, würde ihm sicher auch nicht schaden.

Mathilda und
der mysteriöse Umschlag
Kapitel 1

Gestern Nachmittag kam ich so dir-nix-mir- nix nach Hause und sah schon weitem einen großen bunt-bedruckten Umschlag im Briefkasten stecken. Oh wie schön, dachte ich, Überraschungs-Post! Das kam nicht sehr oft vor, meistens war der Briefkasten leer! Oder, im schlimmsten Fall, wurden unnötige Rechnungen für mich darin abgelegt! Heute sah der Briefkasten allerdings so aus, als ob er gleich überquellen würde. Es war noch ein weiteres Kuvert zu sehen und eine Zeitung, vollgestopft mit jeder Menge unnötiger Prospekte, war so quasi um den bunt-bedruckten Umschlag herumgewickelt. Das Ganze hing über die Hälfte aus dem Briefkastenschlitz heraus und es sah so aus, als ob beim nächsten Windstoß alles davonfliegen würde.

Je näher ich meiner Haustüre und dem Briefkasten kam, desto mehr konnte ich ein helles, aber nicht wirklich verständliches, zischendes Gemurmel hören, dass aus dem großen Umschlag zu kommen schien. Es klang zudem sehr wütend.

Das war eigenartig………………

Der Tag war sehr heiß gewesen…..

…. und obwohl es schon früher Abend war, stand die Hitze noch immer regungslos in der Luft. Langsam kroch die Dämmerung heran, gefolgt von einer Wand bedrohlich aussehender schwarzer Wolkenformationen, in denen grelle Blitze in bizarren Formen tanzten. Es war sehr still, nur in der Ferne hörte man dumpfes Grollen. „Das kann ja heiter werden“, Tulipa seufzte, „Gewitter sind so gar nicht mein Ding.“ Noch immer seufzend strich sie sich die langen, schwarz-glänzenden Haare glatt. Wie gerne würde sie diese Haarpracht abschneiden, vor allem bei dieser Hitze.

„Eine Hexe mit kurzen Haaren – das hat es seit Anbeginn der Hexenzeit nicht gegeben – und du wirst nicht die erste Hexe mit kurzem Haar sein, so wahr ich Mandragona heiße – Schlangenei und Krötendreck!“ schrie Tulipas Patentante, als Tulipa ihr erzählte, dass sie sich im Haarsalon Zur Scharfen Schwarzen Schere die Haare kurz schneiden lassen wollte. Selten hatte sie Mandragona so aufgebracht gesehen, obwohl ihre Patentante weit über die Grenzen des Hexenlandes hinaus für ihr aufbrausendes Temperament bekannt war. Und Oberhexe war sie auch, da hieß es also doppelt vorsichtig sein! Tulipa setzte den Hexenhut auf und zog ihre schwarzen Kniestrümpfe hoch.

„Oh nein, ich will da nicht rausgehen. Ich kann da einfach nicht rausgehen“, flüsterte Suse, die Backen rot vor Aufregung. In der Umkleidekabine war es feucht und stickig und Suse schwitzte. Die Holzbank auf der sie saß, war glitschig und roch schimmelig. Sie musste sich beruhigen, sie musste da raus, sie konnte doch nicht den ganzen Tag in dieser Kabine sitzen. Die Tränen brannten in ihren Augen und der Kloß in ihrem Hals wurde immer größer. Ein Kloß, fast so groß wie Frau Birnbaums selbstgemachte Speckkartoffelknödel – und DIE waren groß. Frau Birnbaum war Suses Nachbarin. Von ihrem Zimmerfenster im Dachgeschoß konnte sie sehen, wie Frau Birnbaum jeden Samstag frisch gekochte Speckkartoffelknödel fein säuberlich aufgereiht und vor sich hin dampfend zum Abkühlen auf ihren Küchenfenstersims stellte. Und genau so ein großer Knödel schien Suse jetzt in ihrem Hals zu stecken.