Eigentlich bin ich ja ganz anders. 100 Prozent. HA!

Weil,  jetzt mal ganz unter uns,  DAS  kann ja wohl nicht die wahre Ich sein, also so wie die ist und wie die sich verhält.  Mehr und mehr und immer öfter ist die nämlich biestig, stänkert rum und ist trotzig und widerborstig.

In letzter Zeit kommt noch eine Wut dazu – eine Wut, die sich –  direkt unter Haut zusammengeballt – versteckt hält.  Und die jede Gelegenheit nützt um an die Decke zu gehen –  aber wie!  Sehr beängstigend das Ganze.  Selbst in der Öffentlichkeit geht diese Wut echt ab! Man stelle sich das mal vor …..  Krass! Um es mal kurz und bündig auf einen Nenner zu bringen: diese Beschriebene da repräsentiert eine sehr anstrengende, unberechenbare und abenteuerlich bedenkliche Seite von mir.

Das Gegenstück dazu von dem ich hoffe, dass sie mein wahres ICH ist, also eine Bessere, Freundliche, Geduldige, Ausgeglichene….  die ist – und ich kann  es nur positiv unterstreichen – wirklich ganz anders!  Witzig, kreativ, emphatisch und liebenswert. Es entspannt und ist bereichernd,  mit ihr zusammen zu sein.

Altus  sensitiva – die  Empfindliche, die Sensible, das Seelchen …… Tja, die war schon als Kind so.  Eine die sich ALLES  zu Herzen nimmt, die versucht es Jedem recht zu machen  und damit – logischerweise – immer gegen irgendeine Wand rennt. Auch immer wieder gerne gegen dieselbe Wand. Tut sauweh.  Die trotzdem (oder gerade deswegen?)  hartnäckig dabei bleibt,  Andere zu überreden das Beste von ihr anzunehmen. Bloß dass von diesem wertvollen Besten  am Ende kaum etwas für sie selber übrig bleibt –  shit und dumm gelaufen!

Schlaftrunken richtete sie sich im Bett auf. Stille. Dunkelheit. Ein kurzer Moment von Panik. Einatmen und ausatmen. Stille. Sie drehte ihren Kopf und blickte auf die kleine schwarze Uhr auf dem Fernsehtischchen. Die rote Leuchtziffer zeigte 2.55 Uhr. Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich zurück in die Kissen fallen. Sie war so müde. Warum nur war sie aufgewacht?  Sie war früh zu  Bett gegangen. Kurz nach 21.00 Uhr. Ausnahmsweise war es ihr gelungen, den dröhnenden Fernseher der Nachbarn zu ignorieren. Auf ihr geliebtes Glas Wein hatte sie verzichtet und stattdessen Fencheltee getrunken. Für eine gute Nachtruhe. Trotzdem war sie nun wach. Die Bettdecke fest um sich gewickelt drehte sie sich auf die andere Seite und schloss die Augen. Weiterschlafen. Sie hatte immerhin noch 3 Stunden bis zum aufstehen. Immer wachte sie  zur gleichen Zeit auf. Punkt 6.00 Uhr. Immer. Ohne Wecker, den brauchte sie seit Jahren nicht mehr. Egal wie viele Stunden sie geschlafen hatte oder wie müde sie war, ihre Augen öffneten sich immer zur selben Zeit. Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen. Einschlafen. Ihre Blase meldete sich.  Sie beschloss, sie zu ignorieren. Ja klar. Als ob das schon einmal funktioniert hätte. Sie stand auf und ging ins Bad.  Das Licht am Spiegelschrank zeigte ihr ein blasses, müdes Gesicht. Wie immer um diese Uhrzeit  reflektierte es die Spuren zahlloser schlafloser Nächte. Egal, dachte sie, es ist eh zu spät für Alles.