Susanne’s Adventskalender Challenge – 10. Dezember 2021

Träumende Kuchengabeln …

…. oder warum es wichtg ist, nachts eine Kuchengabel auf dem Nachttisch zu haben:

Er war ein gewöhnlicher Mann.  Nicht mehr der Jüngste; das Gesicht war von Sorgenfalten gezeichnet,  ein Gesicht dem man ansah, dass es den Mund nur sehr selten verzog um zu lachen. Er ging  morgens zur Arbeit und verbrachte seinen Feierabend vor dem Fernseher. Er hatte keine Freunde und von Haustieren hielt nicht viel. Die fabrizierten nur Schmutz, nein danke.  Er hatte keine Familie;  Frauen waren ihm nicht geheuer und bei Kindern ging es ihm wie mit den Haustieren, also nein danke …

EWAS aber hatte er – Träume jede Nacht! Na gut, das an sich war ja erstmal nichts Ungewöhnliches. Was aber merkwürdig  an der Sache war, er träumte immer und nur von Kuchen!  Erdbeerkuchen, Käsekuchen, Streuselkuchen, Apfelkuchen, Marmorkuchen – Kuchen, Kuchen, Kuchen!  Wohin er auch schaute, erblickte er Berge von Kuchen. Und es roch wie im Paradies, dieser überwältigende Duft raubte ihm fast den Verstand! Er hätte ALLES darum gegeben, von dem Kuchen zu essen zu dürfen.  Aber –  um an die Kuchen zu gelangen, musste er an einer Zuckerbäckerin vorbei. Sie saß auf einem riesigen Stück Schokoladenkuchen und kontrollierte jeden der Einlass in das Kuchenparadies wünschte. Jede Nacht fragte sie ihn, ob er seine Kuchengabel dabei habe, um von dem Kuchen essen zu dürfen.  Und jede Nacht suchte er verzweifelt die Kuchengabel in seinen Taschen, obwohl er schon vorher wusste, dass da keine war. Jeden Morgen kehrte er zurück in die richtige Welt, ohne auch nur ein Stück Kuchen gegessen zu haben.

So ging das eine lange Zeit Nacht für Nacht. Der Mann wurde dünn und hager, die Sorgenfalten in seinem Gesicht traten immer mehr hervor.  Er zog sich mehr und mehr zurück.  Die Kuchen in seinen Träumen beherrschten sein ganzes Denken.

Eines Tages hatte er eine grandiose Idee! Er ging in die Stadt und kaufte sich eine Kuchengabel. Aus echtem Silber, glänzend und sternengleich funkelnd.  An diesem Abend als er zu Bett ging, legte er die Kuchengabel auf seinen Nachttisch. Der Plan war, er würde zurückkommen aus seinem Traum um die Kuchengabel zu holen und somit endlich Einlass in das Kuchenparadies zu erhalten. Es dauerte ein bisschen länger bis er an diesem Abend einschlafen konnte, denn er war sehr aufgeregt;  den Blick fest auf die Kuchengabel gerichtet,  schlief er dann irgendwann ein.

Am nächsten Morgen war die Kuchengabel verschwunden. Einfach so. Weg.

Auch der Mann wurde nie wieder gesehen. Irgendwann wurde seine Habe verteilt und das Haus renoviert.  Manche der Möbel wurden wiederverwendet, so auch der Nachttisch. Eine junge Familie mietete das Haus und stellte den Nachttisch in das Zimmer ihrer kleinen Tochter, die drei Jahre alt war und  gerade anfing zu sprechen. Es war ein wenig spät erst mit drei Jahren sprechen zu lernen, schon klar. Dafür war  ihr erstes Wort – und sie sagte es zum Erstaunen der ganzen Familie klar, deutlich, ja man könnte fast annehmen irgendwie fordernd – KUCHENGABEL !

S.B.2021

Comments

  • adminchen
    REPLY

    Das gefällt mir!

    13. Dezember 2021

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