Susanne’s Adventskalender Challenge – 24. Dezember 2021

Lametta

Lametta„Es ist Post gekommen!“, rief Mathilda „ ein Päckchen  – das kann nur für mich sein!“ „Wie kommst du denn darauf, dass es für dich ist?“ fragte ich erstaunt und blickte entschuldigend zum Postboten hin. Mathilda schob sich vor mich hin und strahlte den Postboten von unten mit einem bestrickenden Lächeln an.  „Es ist doch so, dass Päckchen grundsätzlich nur an Brave verteilt werden, oder? Und meistens sind das kleine Mädchen, nicht wahr?“  Der Postbote schaute mich verlegen an. „Glauben Sie ihr nicht“ kam eine Stimme vom oberen Fenster „die schwindelt ganz gerne!“ „Und sowas von!“ Das kam auch von oben, nur die Stimme war anders. Udo und Fiete saßen auf der Fensterbank und blickten nach unten. „Sie haben ein Krokodil??“ Der Postbote schaute entgeistert. „Nur ein ganz kleines “ wiegelte ich ab, „und außerdem völlig harmlos!“

Der Postbote trat vorsichtshalber einen Schritt zurück, drehte sich um und wäre dabei fast gestolpert  „Eventuell ist das Paket ja aus Übersee, dann wäre es für mich – steht da zufällig Hank drauf“, fragte der Bieber der hinter ihm gestanden und ihn mit der rechten Pfote vor dem hinfallen bewahrt hatte. Der Biber hatte eine Taucherbrille auf und trug einen dick gestrickten Pullover mit einer kanadischen Flagge vorne.  „Jetzt schlägt’s dreizehn“, murmelte der Postbote und blickte leicht panisch um sich. „Also erstens“, sagte Mathilda und ihre Haarspitzen zitterten dabei, „lüge ich nie!“. Sie schoss einen giftigen Blick auf die obere Fensterbank. „Und zweitens ….

„Hört, hört“, wurde sie 5-stimmig unterbrochen, „ dafür leg ich aber nicht meinen Fisch ins Wasser!“ Auf dem Briefkasten saß eine Gruppe Fische, die Musikinstrumente in ihren Flossen hielten. Spätestens jetzt stand für den Postboten außer Zweifel, dass etwas in seiner Frühstücksbox ganz und gar nicht mehr in Ordnung gewesen war und was immer er gegessen hatte etwas Verwunderliches mit seinem Kopf anstellte. „Wissen Sie, alles halb so wild, der Fisch ist der Chef von Fish Aint´ Bitin und heißt Jonas“, begann ich zu erklären, als Jonas sagte „Wir warten übrigens auf das alljährliche Weihnachtspäckchen von Onkel Camilo aus Kuba – kreolische Wasserflohpastete – hmmm!“. Der Postbote beschloss zu fliehen und von unterwegs den Notärztlichen Dienst zu kontaktieren.  Er hüpfte auf sein Lastenfahrrad und radelte ohne ein weiteres Wort davon.

„Na das habt ihr ja toll hinbekommen“, sagte ich verdrossen „wegen Euch muss ich künftig wohl die Post auf dem Postamt selber abholen. Ich glaube nicht, dass sich nochmal ein Postbote hierher wagt!“

„Wir haben aber nichts Böses gewollt“, meinte Hank und da musste ich ihm Recht geben. „Was soll´s“, sagte ich, „ist ja nicht unser Problem, wenn er sich wegen uns überfordert gefühlt hat – also alles gut! „

„Wie jetzt, alles gut??!“ Was ist das für ein Dienst am Kunden – nicht zuhören, nicht antworten und dann einfach mir nix dir nix verschwinden….“ Oh“ sagte Mathilda, „wenigstens hat er das Päckchen dagelassen!“

„Moment junge Dame!“, sagte ich zu Mathilda, “was für ein Name steht auf dem Päckchen? „Mathilda hob das Päckchen auf. „Hm, leider nicht mehr erkennbar“, sie zuckte mit den Achseln, „vielleicht nass geworden oder so …“ Sie begann das Papier abzureißen. „Is schon gut“, sagte sie nachdem sie einen Blick in mein Gesicht geworfen hatte, „da will man nur helfen und wird so schnöde abgewiesen…“ Ich warf einen Blick auf das Paket, auf dem mein Name in Großbuchstaben aufgedruckt war. „Ach Mathilda“ sagte ich“, was hab ich bisher nur ohne Dich gemacht?“ „Gelangweilt hast du dich ohne Ende!“, rief Mathilda, „und das ist jetzt der Dank dafür…  Also ich gehe jedenfalls davon aus, dass du mir wenigstes sagst was in dem Paket drin ist!“  „Nö, antwortete ich kurz und bündig. „das ist eine Überraschung und geht neugierige kleine, rothaarige Mädchen erstmal nix an! Pfttt hin oder her Mathilda, ab ins Bett  jetzt und der Rest geht gleich hinterher!“

Endlich war Ruhe im Haus. Ich schenkte mir ein Glas Wein ein und setzte mich an den Tisch. Vorsichtig öffnete ich das Päckchen und schaute hinein. Ich lächelte und mir wurde ganz warm ums Herz. Ich griff mit beiden Händen in den Karton. Als ich sie wieder herausnahm, waren meine Hände voll mit glitzerndem Lametta! Ich liebte Lametta und ein Weihnachten ohne konnte ich mir gar nicht vorstellen. Aus der Besenkammer holte ich die kleine Fichte, die zusammen mit verschiedenen Weihnachtskugeln seit ein paar Tagen dort versteckt war. Ich hing die Kugeln daran und verteilte das ganze Lametta am Baum. Auf die Spitze setzte ich einen Stern und einen Engel mit blonden Haaren. Fertig und wunderschön.  Ich schob den Baum in die Ecke und verteilte Geschenke darunter.  In einem der Päckchen war die kreolische Wasserflohpastete von Onkel Camilo aus Kuba – ich hatte das Päckchen für die Jonas Brothers letzte Woche beim Postboten abgefangen. Hank´s Freunde hatten ihm 0,25 Kubikmeter Kanadisches Ahornholz – essbar! – geschickt. Ein bisschen umständlich zum Verpacken und für mich zum Zwischenlagern – aber die Idee war nett und Hank würde sich bestimmt riesig freuen. In Mathildas Päckchen war ein roter Lippenstift, dann hörte das endlich auf, dass sie immer meinen benutzte und das halbe Bad damit verschmierte. Und ein silbernes Diadem, das hatte sie sich echt verdient! Und es würde mega cool in ihren roten Haaren aussehen.

Auf die Kommentar war ich schon jetzt sehr gespannt.

Ich werd‘ berichten – MERRRY CHRISTMAS!

 

S.B. 2021

Comments

  • Karin
    REPLY

    Und nochmal Mathilda! Hurra! Und Hank und Udo und die ganze Gang! Oh wie schön… und wir haben eben erst davon geredet 😄 Großartig ☺️

    26. Dezember 2021
  • Karin
    REPLY

    Hab es eben nochmal gelesen und werd ganz rührselig… schnief, so eine nette Weihnachtsgeschichte!

    19. Januar 2022

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